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  1. Aztlans Bitte führt weit weg vom Gegenstand „Sex in Mittelerde“. Seinem Wunsch nachzukommen, ist nicht ganz einfach für mich, denn das anvisierte Thema hält nicht unbedingt die Erleuchtung bereit, nach der er sucht. Es belohnt den Wißbegierigen bestenfalls mit einem flüchtigen Blick ins Zwielicht einer anderen Welt. Aber ich will mein Bestes versuchen, das Problem zu schildern, das die Hoch-Nerds so fasziniert. Der Herr der Ringe ist ein sehr modernes Buch. Das vergißt man leicht bei all den Drachen, Rittern, und Feen, die darin herumschwirren. Die Märchenelemente können jedoch nicht über den postmodernen Charakter des Werkes hinwegtäuschen. Hierzu sei ein weiteres Mal auf die anachronistischen Postämter des kleinbürgerlichen Auenlandes verwiesen, die neben hochmittelalterlichen Königreichen und gottgleichen Herrschern der Antike bestehen. Des Weiteren erzählt der Herr der Ringe nicht nur von den Abenteuern der Hobbits, sondern gleichzeitig auch seine eigene Überlieferungsgeschichte. Die Verbindung, die der Erzähler des Prologs zwischen den Ereignissen des Ringkriegs und seinem eigenen Jetzt herstellt, hat viele Tolkien-Fans zu der Annahme verleitet, daß Mittelerde im selben zeitlichen Kontinuum angesiedelt sei wie unsere Welt. Nur eben um einiges früher. Doch unter den Hoch-Nerds gibt es einige, die von dieser These nicht überzeugt sind. Die vielen Anspielungen auf historische Strömungen, z.B. Mumifizierung in Númenor, Invasion von Reitervölkern, Erbfolgekriege in Gondor etc. nähren die Vermutung, daß die Geschichte Mittelerdes die irdische in künstlerisch verdichteter Form nachahmt. Wir hätten es demnach im wahrsten Sinne des Wortes mit „Kunstgeschichte“ zu tun. Das Phantastische an Tolkiens Welt ist nicht, daß es dort Magie und Fabelwesen gibt, sondern, daß sie sich selbst so verblüffend ernst nimmt. Schon im Prolog ist diese entwaffnende Selbstverständlichkeit der mittelirdischen Realität spürbar. Der Text klingt so nüchtern und trocken, daß ihn viele Erstleser einfach überblättern. Entscheidend aber ist die sprachliche Abstraktion dieser Prolog-Wirklichkeit. Der zurück blickende Erzähler scheint aus einer zeitlosen Zwischenwelt zu berichten, die uns vertraut und fremd zugleich vorkommt. Dieser geheimnisvolle Ton hat die Skeptiker, (zu denen sich auch Nelkhart zählen muss) zu der verwegenen Auffassung geführt, daß die Zeitalter der Sonne in ein ahistorisches paralleles Heute geführt haben. Diese Zeitebene kennt unseren bürgerlichen Alltag zwar in Grundzügen, blendet aber Popkultur, sexuëlle Selbstbestimmung und andere triviale Modeerscheinungen des 20. Jahrhunderts völlig aus. Tolkien schuf hier auf wenigen Seiten eine behagliche Schaukelstuhl-Gegenwart für seine Leser, die zwischen den Zeiten angesiedelt ist: ein abstrahiertes Heute. Ich nenne diesen literarischen Raum deshalb „das Lesezimmer“. Eine Dimension, in die nur unsere Erfahrungen aus Büchern gelangen, jedoch keine tagespolitischen Ereignisse. Die Ninwë-Stelle aber ist das wichtigste Gegenargument gegen das Lesezimmer. Sie reiht den Fall von Gondolin in das antike Periodisierungssystem der Reichssukzession ein und verbindet damit die historischen Stränge beider Welten zu einer gemeinsamen Erdgeschichte.
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  2. Um die nach wie vor unbeantwortete Frage aufzuhellen, was es denn mit der Ninwë-Stelle auf sich habe, versorge ich den Leser mal mit ein wenig Kontext in Form eines Zitats (aus dem "Book of Lost Tales 2"): Dazu eine kleine Erklärung:
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